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Uiuiui, das war ja was bei den ersten Bloggersessions am vergangenen Sonntag auf der Leipziger Buchmesse 2016. Es ging heiß her bei der Podiumsdiskussion zum Thema Blogger Relations. Eigentlich sollte es laut offizieller Agenda um das Thema „Wenn Verlage und Literaturblogger aufeinandertreffen: Ist das schon Werbung? Sollte man kostenlose Bücher annehmen?“ gehen, doch ging es nach einer kurzen Diskussion, wie die klassische Bloggerpflege aussehen könnte, gehörig zur Sache. Wohin es die Diskussion verschlagen hat? In Richtung Professionalisierung und Monetarisierung von Buchblogs und das diese Szene doch weit mehr ist als eine „Spielwiese Buchblog„.

Vermutlich haben viele von euch, die in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, die hitzige Diskussion mitbekommen, die unter dem Hashtag #bmb16 (buchmesse: blogger sessions 16) vor allem auf Twitter stattgefunden hat. Zwar galt der Hashtag der ganzen Veranstaltung, doch eskalierte zum Sessionpunkt 2.1: Blogger Relations – Podiumsdiskussion regelrecht der Twitterfeed. Doch wieso das Ganze? Das möchte ich im folgenden Blogbeitrag näher beleuchten.

Kommt endlich raus aus Eurer Emo-Flauschzone…

„…und stellt Euch der dringend notwendigen Professionalität, denn Ihr macht Werbung für das wichtigste Medium überhaupt.“ Besser hätte es Karla Paul in ihrer Eröffnungsrede/Keynote (auf dem Blog Buchkolumne nachlesen) zu den Bloggersessions wirklich nicht ausdrücken können. Eine Forderung, die genau den richtigen Nerv getroffen hat. Wir Buchblogger sind uns unserer unfassbar wichtigen Rolle in der Literaturszene leider noch überhaupt nicht richtig bewusst. Dabei ist der Erfolg, welcher die Verlage durch die Buchblogszene erlangt, tatsächlich messbar und die Blogger haben sich in der Relevanz im Verlagsmarketing einen festen Platz in nahezu allen Aktionen erkämpft. Blogger sind nicht nur eine kleine Randerscheinung, sondern ein perfekt vernetzter Haufen, der sich aufgrund seiner Leidenschaft für das geschriebene Wort meiner Meinung nach sogar besser in der Unterhaltungsliteratur auskennt, als jeder Vertreter des Feuilleton. Blogger schreiben für Blogger und ihre Leser, sie sind auf der gleichen Wellenlänge und sie wissen, was gerade angesagt ist, was wem gefällt und was man definitiv nicht verpassen sollte. Diese Aufmerksamkeit und Reichweite der Blogger in der für die Verlage relevanten Zielgruppe wird aktuell nahezu schamlos ausgenutzt. Wir Blogger sind kostenlos und erreichen wahnsinnig viele Menschen der Zielgruppe und helfen somit, den Verkauf eines oder mehrerer Bücher in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen. Was wir dafür wollen? Ein Rezensionsexemplar, welches sowieso im Verlag eingeplant und nicht für den Verkauf vorgesehen ist und eventuell mal ein Termin auf einer Buchmesse. Das wars. Muss uns das reichen? Ganz klar nein!

Wir Buchblogger sind ein enormes Marketinginstrument und wir schaffen es (meistens), Professionalität und Leidenschaft zu verbinden, was uns besser macht als jedwede klassische Literaturkritik. Wir sind direkt auf Augenhöhe mit dem Leser und erreichen diesen daher auch direkter als das Feuilleton doch müssen wir uns nach wie vor belächeln oder sogar beschimpfen lassen müssen und häufig wie folgt gesehen werden:

Niedlich, dieses herzige kleine Ökosystem Young-Adult-lesender Katzenbesitzer, die ihre Bücher nach Farbe sortieren und zum aktuellen Lieblingsbuch gleich noch den passenden Tee samt Nagellack empfehlen. – Buchkolumne

 

Für unsere Arbeit sollten wir endlich auch eine höhere Wertschätzung bekommen. Wie diese aussehen soll? Da hat mit Sicherheit jeder Blogger eine eigene Vorstellung aber fakt ist, dass beide Seiten endlich in der Pflicht sind, sich zu bewegen. Die Fashion- und Beautyblogger-Szene lebt es seit Jahren erfolgreich vor. Viele Blogger_Innen aus diesem Bereich können sich mit ihrem Blog ihr tägliches Brot verdienen während wir Buchblogger weit und breit kein Licht sehen, wenn es um die finanzielle Unabhängigkeit geht.

Doch wenn wir die „neuen Multiplikatoren sind und in der Priorität der Verlage am höchsten und für die Kommunikation am wichtigsten“ sind, weshalb gibt es dann nach wie vor kein Konzept, um Blogger für ihr Herzblut angemessen zu entlohnen? Stattdessen gibt es Aussagen wie die Folgenden:

Wer Schreiben möchte, was er will, darf nicht bezahlt werden

Wir sind anscheinend immer noch so ein kleiner süßer Haufen, der einfach nicht ernst genommen wird. Wir sind so autonom, dass wir uns von einer monetären Würdigung nicht kaufen lassen und trotzdem unsere eigene Meinung äußern. So können wir bspw. irgendwann auch für eine Rezension zu einem neuen Titel, welcher der Verlag gerade groß bewerben möchte, bezahlt werden. Die Tatsache, dass wir für eine Besprechung Geld bekommen könnten, heißt ja nicht automatisch, dass wir das Buch positiv bewerten?! Ich für meinen Teil bewerte das Buch immer so, wie es tatsächlich ist, ob gut oder schlecht, ganz egal. Ich sage meine Meinung und lasse mir nicht in meine Meinung reinreden. Es geht ja auch nicht um eine „bekaufte Buchbesprechung“ sondern um die allgemeine Besprechung des Buches und die damit erzeugte Aufmerksamkeit, die das Buch durch den Blogger erhält, sei es als Verriss oder in den Himmel gelobtes Werk. Nur so als Beispiel…


Toller und lobenswerter Ansatz mit einer bezahlten Kampagne für Blogger durch einen Verlag. Aber wenn man in einem Raum voller Buchblogger sitzt und über die Bezahlung eben jener diskutiert, dann kann man nicht sagen, dass die erste bezahlte Kampagne, die man als Verlag gemacht hat, gar nicht mit branchenrelevanten Bloggern durchgeführt hat sondern mit völlig anderen Bloggern. Sorry, not sorry, aber das finde ich dann wiederum schlimm. Egal, ob man als Verlag etwas ausprobieren will oder nicht. Wir Buchblogger sind mit Sicherheit (genauso) talentiert und hätten eine tolle Kampagne hinbekommen, ganz zu schweigen von der genau richtigen Reichweite und Zielgruppe 😉

Schluss damit. Es gibt so viele tolle und professionelle Blogs, die es definitiv verdient haben, dass man ihre vielen Mühen auch entsprechend wertschätzt. Ein einfaches Rezensionsexemplar reicht da einfach nicht mehr aus um vom Verlag aus „Danke für deine Mühe“ zu sagen. Blogger investieren Stunden in ihren Blog, in Überlegungen für Buchaktionen, die dem Verlag dann kostenlos zur Verfügung gestellt werden, z.B. in Form einer Blogtour oder in großer kostenfreier Werbung in Form von Verlagsvorschauen nach Buchmessen.

Muss der Blogger das tun? Natürlich nicht. Er macht es gern, da die Literatur sein Herzensprojekt ist und seine Leidenschaft dafür brennt. Doch können sich Verlage da nicht dauernd drauf stützen und darauf immer weiter hoffen. Ich finde, dass Buchblogger endlich für ihre harte Arbeit besser entlohnt werden sollen. Natürlich kann kein Verlag, egal wie groß oder klein, jeden Blogger in seinem Blogverteiler für alles entlohnen. Das wollen wir Blogger überhaupt nicht und das kann kein Verlag finanziell schaffen. Dafür haben wir natürlich vollstes Verständnis. Auch kann nicht jeder Blog einen Anspruch auf diese Vergütung erheben, dafür sollte es Kriterien geben, aber diese sollten endlich einmal definiert werden. Ausreden wie „bisher gab es innerhalb der Verlags-/Buchbranche noch keine Diskussion darüber“ oder „es wurden Konzepte ausgearbeitet“ zählen einfach nicht. das ist ein billiges Versteckspiel. Setzt euch zusammen und redet endlich auch mal miteinander. Wir Blogger sind voller Ideen und Tatendrang und oft zu „eurem Glück“ noch nicht selbstbewusst genug, um es wie Blogger anderer Genre zu betreiben. Aber wenn wir in Zukunft mit noch mehr Professionalität, großer Reichweite und tollen Ideen für bestimmte Aktionen bei euch anklopfen, dann fragt uns nicht nur, wie viele Freiexemplare man bei der Aktion verlosen möchte sondern auch nach einer angemessenen Vergütung, die den messbaren Marketingerfolg der Bloggerkampagne würdigt und rechtfertigt.

In Zukunft muss sich in diesem Bereich definitiv einiges tun und es gibt unglaublich viele offene Fragen, die das Thema Professionalisierung und Monetarisierung betreffen, aber wenn man sich hinter Ausflüchten und Gewohnheiten versteckt, wird es niemals Fortschritte geben.

Nicht jeder Blogbeitrag soll/muss/kann bezahlt werden, dafür sind wir Blogger zu verschieden oder blubbern zu oft einfach darauf los aber wenn Blogger, die einen tollen Auftritt haben, inhaltlich überzeugen und dafür bereit sind, neues auszuprobieren, dann verschreckt sie nicht sondern geht auf sie zu und arbeitet gemeinsame Konzepte zur Zufriedenheit aller Parteien aus. Dann kann es auch in Zukunft eine so tolle und zufriedenstellende Zusammenarbeit zwischen Agenturen, Verlagen und Blogs geben, die sich aber im Vergleich zur aktuellen Situation stetig weiterentwickelt und von den Erfahrungen des anderen profitiert. Macht was draus und führt unser Herzensprojekt Buch weiterhin zum Erfolg. Gemeinsam schaffen wir das!

So, genug gesagt für den Moment. Wie seht ihr das? Ist ein Wandel innerhalb der Branche überfällig und sollten Blogger endlich für ihre Leidenschaft entlohnt werden? Oder ist das ganze Thema für euch überflüssig, da Blogger lediglich als Hobby bloggen und keinen Anspruch auf einen „Lohn haben“ und es sich sowieso nur um ein Zeitvertreib und eine Spielwiese Buchblog handelt?