Spielwiese Buchblog?! // Professionalisierung und Monetarisierung von Blogs


Blogger Relations Session auf bei der #bmb16 - Holger Reichard (wortmax), Tanja Rörsch (mainwunder Buchmarketingagentur), Annette Geduldig (Online PR-Referentin Bastei Lübbe), Anke Henkel (Online Redaktion Carlsen Verlag), Karina Elm (NetGalley Deutschland), Judith Tings (Kirchner Kommunikation) v.l.n.r.
Blogger Relations Session auf bei der #bmb16

Uiuiui, das war ja was bei den ersten Bloggersessions am vergangenen Sonntag auf der Leipziger Buchmesse 2016. Es ging heiß her bei der Podiumsdiskussion zum Thema Blogger Relations. Eigentlich sollte es laut offizieller Agenda um das Thema „Wenn Verlage und Literaturblogger aufeinandertreffen: Ist das schon Werbung? Sollte man kostenlose Bücher annehmen?“ gehen, doch ging es nach einer kurzen Diskussion, wie die klassische Bloggerpflege aussehen könnte, gehörig zur Sache. Wohin es die Diskussion verschlagen hat? In Richtung Professionalisierung und Monetarisierung von Buchblogs und das diese Szene doch weit mehr ist als eine „Spielwiese Buchblog„.

Vermutlich haben viele von euch, die in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, die hitzige Diskussion mitbekommen, die unter dem Hashtag #bmb16 (buchmesse: blogger sessions 16) vor allem auf Twitter stattgefunden hat. Zwar galt der Hashtag der ganzen Veranstaltung, doch eskalierte zum Sessionpunkt 2.1: Blogger Relations – Podiumsdiskussion regelrecht der Twitterfeed. Doch wieso das Ganze? Das möchte ich im folgenden Blogbeitrag näher beleuchten.

Kommt endlich raus aus Eurer Emo-Flauschzone…

„…und stellt Euch der dringend notwendigen Professionalität, denn Ihr macht Werbung für das wichtigste Medium überhaupt.“ Besser hätte es Karla Paul in ihrer Eröffnungsrede/Keynote (auf dem Blog Buchkolumne nachlesen) zu den Bloggersessions wirklich nicht ausdrücken können. Eine Forderung, die genau den richtigen Nerv getroffen hat. Wir Buchblogger sind uns unserer unfassbar wichtigen Rolle in der Literaturszene leider noch überhaupt nicht richtig bewusst. Dabei ist der Erfolg, welcher die Verlage durch die Buchblogszene erlangt, tatsächlich messbar und die Blogger haben sich in der Relevanz im Verlagsmarketing einen festen Platz in nahezu allen Aktionen erkämpft. Blogger sind nicht nur eine kleine Randerscheinung, sondern ein perfekt vernetzter Haufen, der sich aufgrund seiner Leidenschaft für das geschriebene Wort meiner Meinung nach sogar besser in der Unterhaltungsliteratur auskennt, als jeder Vertreter des Feuilleton. Blogger schreiben für Blogger und ihre Leser, sie sind auf der gleichen Wellenlänge und sie wissen, was gerade angesagt ist, was wem gefällt und was man definitiv nicht verpassen sollte. Diese Aufmerksamkeit und Reichweite der Blogger in der für die Verlage relevanten Zielgruppe wird aktuell nahezu schamlos ausgenutzt. Wir Blogger sind kostenlos und erreichen wahnsinnig viele Menschen der Zielgruppe und helfen somit, den Verkauf eines oder mehrerer Bücher in die eine oder andere Richtung zu beeinflussen. Was wir dafür wollen? Ein Rezensionsexemplar, welches sowieso im Verlag eingeplant und nicht für den Verkauf vorgesehen ist und eventuell mal ein Termin auf einer Buchmesse. Das wars. Muss uns das reichen? Ganz klar nein!

[Tweet „Professionalität und Leidenschaft machen uns besser und schließen sich nicht aus! #bmb16“]

Wir Buchblogger sind ein enormes Marketinginstrument und wir schaffen es (meistens), Professionalität und Leidenschaft zu verbinden, was uns besser macht als jedwede klassische Literaturkritik. Wir sind direkt auf Augenhöhe mit dem Leser und erreichen diesen daher auch direkter als das Feuilleton doch müssen wir uns nach wie vor belächeln oder sogar beschimpfen lassen müssen und häufig wie folgt gesehen werden:

Niedlich, dieses herzige kleine Ökosystem Young-Adult-lesender Katzenbesitzer, die ihre Bücher nach Farbe sortieren und zum aktuellen Lieblingsbuch gleich noch den passenden Tee samt Nagellack empfehlen. – Buchkolumne

 

Für unsere Arbeit sollten wir endlich auch eine höhere Wertschätzung bekommen. Wie diese aussehen soll? Da hat mit Sicherheit jeder Blogger eine eigene Vorstellung aber fakt ist, dass beide Seiten endlich in der Pflicht sind, sich zu bewegen. Die Fashion- und Beautyblogger-Szene lebt es seit Jahren erfolgreich vor. Viele Blogger_Innen aus diesem Bereich können sich mit ihrem Blog ihr tägliches Brot verdienen während wir Buchblogger weit und breit kein Licht sehen, wenn es um die finanzielle Unabhängigkeit geht.

[Tweet „Buchblogs sind die neuen Multiplikatoren und in der Priorität der Verlage am Höchsten #BMB16“]

Doch wenn wir die „neuen Multiplikatoren sind und in der Priorität der Verlage am höchsten und für die Kommunikation am wichtigsten“ sind, weshalb gibt es dann nach wie vor kein Konzept, um Blogger für ihr Herzblut angemessen zu entlohnen? Stattdessen gibt es Aussagen wie die Folgenden:

Wer Schreiben möchte, was er will, darf nicht bezahlt werden

Wir sind anscheinend immer noch so ein kleiner süßer Haufen, der einfach nicht ernst genommen wird. Wir sind so autonom, dass wir uns von einer monetären Würdigung nicht kaufen lassen und trotzdem unsere eigene Meinung äußern. So können wir bspw. irgendwann auch für eine Rezension zu einem neuen Titel, welcher der Verlag gerade groß bewerben möchte, bezahlt werden. Die Tatsache, dass wir für eine Besprechung Geld bekommen könnten, heißt ja nicht automatisch, dass wir das Buch positiv bewerten?! Ich für meinen Teil bewerte das Buch immer so, wie es tatsächlich ist, ob gut oder schlecht, ganz egal. Ich sage meine Meinung und lasse mir nicht in meine Meinung reinreden. Es geht ja auch nicht um eine „bekaufte Buchbesprechung“ sondern um die allgemeine Besprechung des Buches und die damit erzeugte Aufmerksamkeit, die das Buch durch den Blogger erhält, sei es als Verriss oder in den Himmel gelobtes Werk. Nur so als Beispiel…

Toller und lobenswerter Ansatz mit einer bezahlten Kampagne für Blogger durch einen Verlag. Aber wenn man in einem Raum voller Buchblogger sitzt und über die Bezahlung eben jener diskutiert, dann kann man nicht sagen, dass die erste bezahlte Kampagne, die man als Verlag gemacht hat, gar nicht mit branchenrelevanten Bloggern durchgeführt hat sondern mit völlig anderen Bloggern. Sorry, not sorry, aber das finde ich dann wiederum schlimm. Egal, ob man als Verlag etwas ausprobieren will oder nicht. Wir Buchblogger sind mit Sicherheit (genauso) talentiert und hätten eine tolle Kampagne hinbekommen, ganz zu schweigen von der genau richtigen Reichweite und Zielgruppe 😉

[Tweet „Ein Rezensionsexemplar und ein >>Danke fürs Mitmachen<< reicht einfach nicht mehr aus“]

Schluss damit. Es gibt so viele tolle und professionelle Blogs, die es definitiv verdient haben, dass man ihre vielen Mühen auch entsprechend wertschätzt. Ein einfaches Rezensionsexemplar reicht da einfach nicht mehr aus um vom Verlag aus „Danke für deine Mühe“ zu sagen. Blogger investieren Stunden in ihren Blog, in Überlegungen für Buchaktionen, die dem Verlag dann kostenlos zur Verfügung gestellt werden, z.B. in Form einer Blogtour oder in großer kostenfreier Werbung in Form von Verlagsvorschauen nach Buchmessen.

Muss der Blogger das tun? Natürlich nicht. Er macht es gern, da die Literatur sein Herzensprojekt ist und seine Leidenschaft dafür brennt. Doch können sich Verlage da nicht dauernd drauf stützen und darauf immer weiter hoffen. Ich finde, dass Buchblogger endlich für ihre harte Arbeit besser entlohnt werden sollen. Natürlich kann kein Verlag, egal wie groß oder klein, jeden Blogger in seinem Blogverteiler für alles entlohnen. Das wollen wir Blogger überhaupt nicht und das kann kein Verlag finanziell schaffen. Dafür haben wir natürlich vollstes Verständnis. Auch kann nicht jeder Blog einen Anspruch auf diese Vergütung erheben, dafür sollte es Kriterien geben, aber diese sollten endlich einmal definiert werden. Ausreden wie „bisher gab es innerhalb der Verlags-/Buchbranche noch keine Diskussion darüber“ oder „es wurden Konzepte ausgearbeitet“ zählen einfach nicht. das ist ein billiges Versteckspiel. Setzt euch zusammen und redet endlich auch mal miteinander. Wir Blogger sind voller Ideen und Tatendrang und oft zu „eurem Glück“ noch nicht selbstbewusst genug, um es wie Blogger anderer Genre zu betreiben. Aber wenn wir in Zukunft mit noch mehr Professionalität, großer Reichweite und tollen Ideen für bestimmte Aktionen bei euch anklopfen, dann fragt uns nicht nur, wie viele Freiexemplare man bei der Aktion verlosen möchte sondern auch nach einer angemessenen Vergütung, die den messbaren Marketingerfolg der Bloggerkampagne würdigt und rechtfertigt.

In Zukunft muss sich in diesem Bereich definitiv einiges tun und es gibt unglaublich viele offene Fragen, die das Thema Professionalisierung und Monetarisierung betreffen, aber wenn man sich hinter Ausflüchten und Gewohnheiten versteckt, wird es niemals Fortschritte geben.

Nicht jeder Blogbeitrag soll/muss/kann bezahlt werden, dafür sind wir Blogger zu verschieden oder blubbern zu oft einfach darauf los aber wenn Blogger, die einen tollen Auftritt haben, inhaltlich überzeugen und dafür bereit sind, neues auszuprobieren, dann verschreckt sie nicht sondern geht auf sie zu und arbeitet gemeinsame Konzepte zur Zufriedenheit aller Parteien aus. Dann kann es auch in Zukunft eine so tolle und zufriedenstellende Zusammenarbeit zwischen Agenturen, Verlagen und Blogs geben, die sich aber im Vergleich zur aktuellen Situation stetig weiterentwickelt und von den Erfahrungen des anderen profitiert. Macht was draus und führt unser Herzensprojekt Buch weiterhin zum Erfolg. Gemeinsam schaffen wir das!

[Tweet „Verlage und Blogger arbeiten Hand in Hand – Dann klappt das! #bmb16“]

So, genug gesagt für den Moment. Wie seht ihr das? Ist ein Wandel innerhalb der Branche überfällig und sollten Blogger endlich für ihre Leidenschaft entlohnt werden? Oder ist das ganze Thema für euch überflüssig, da Blogger lediglich als Hobby bloggen und keinen Anspruch auf einen „Lohn haben“ und es sich sowieso nur um ein Zeitvertreib und eine Spielwiese Buchblog handelt?

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  • Kaisu (life4books.blogspot.de)

    Nur wie soll man das umsetzen? Wie manche Zeitungen es machen a la „Hier, lies 5 Sätze und danach zahlen bitte!“ Das ist so eine Frage, die ich mir gestern abend gestellt hab, als ich die Podcasts gehört hab. Soll man sagen: „Ich schreib nur ne Kritik, wenn ich Geld bekomme!“ Macht kein Verlag mit – und da hinkt dann schon wieder die Motivation: Wenn die Verlagshäuser sich sträuben, bremsen sie bei dem meisten die Motivation aus 🙁 Weil dann müssten auch ALLE mitmachen, sonst wechselt man zu denen, die nix haben wollen…
    Obwohl die Verlage eigtl auch so Modelle wie amazon anbieten können: Direktlink zum Verlag und es wird vergütet, wenn darüber jmd kauft.
    Gabs den Ideeninseln, wo Vorschläge dafür gesammelt wurden?

    • Huhu Kaisu,

      Ideeninseln gab es leider nicht bei den Sessions. Ist denke ich eine sehr gute Idee für die nächsten Ausgaben, falls weitere geplant sein sollten (wovon ich ausgehe).

      Ich möchte ja gar nicht fordern, dass jede Buchbesprechung vom Verlag vergütet wird, um Gottes Willen, nein. Aber es würde sich bspw. anbieten, wenn ein neues Buch beworben werden soll, dass man ggf. einige Rezensionen vergütet, egal wie diese ausfallen. Hauptsache das Buch wird besprochen. Dieses Thema ist einfach sehr heikel, da es leider, auch wenn man neutral schreibt, immer etwas nach „gekaufter Meinung“ aussieht.
      Deshalb bevorzuge ich definitiv die Vergütung von bestimmten Aktionen, sei es ein Bericht über ein Verlagsevent, eine Blogtour zu einem neuen Buch o.ä. Dafür gibt es sicherlich viele Beispiele und der Kreativität des Bloggers und des Verlags ist hier keien Grenze gesetzt.

      Deinen Ansatz mit Direktlink zum Verlag finde ich prinzipiell auch sehr gut nur ist es sehr schwierig, damit jemals Geld zu verdienen, weil man ja nicht ausschließlich bei einem Verlag Bücher liest und rezensiert sondern bei ganz vielen und somit auch zu ganz vielen verschiedenen Verlagsseiten verlinkt und ganz unterschiedliche Verlage und Bücher bewirbt. Wenn es hier einen „gemeinsamen“ Pool der Verlage geben würde, abseits von amazon, dann könnte das ggf. funktionieren aber so sehe ich das kritisch.
      Oder es wird über ein einzelnes Portal gesteuert, bspw. NetGalley, wo viele verschiedene Verlage vertreten sind und man sich aus einem großen Topf bedienen könnte.

      LG
      Philip

      • Kaisu (life4books)

        Nein, also soll ja nicht jede Kritik bezahlt werden, davon bin ich auch kein Freund!
        Aber wie du schon sagst: gerade größere Aktionen, mit mehr Aufwand, mit Recherché, ausgetüfftelten Bildern, etc, da könnte man einem wirklich eingegen kommen! (Fotografen bekommen/nehmen ja auch Geld)
        Zu dem Direktlink: Wenn ein Tool, wo viele Verlage mitmischen, denke ich schon, dass das Sinn macht und man die Wege entsprechend zurückverfolgen kann (kenn mich da technisch viel zu wenig aus, um mir da ein Urteil erlauben zu können)
        Ein Beispiel aus meinem Job: es gibt hrs/booking/Drittanbieter halt, aber wenn sich Hotels zusammenschließen und ein eigenes Portal aufmachen, fallen Gebühren weg, der Kunde profitiert davon UND das Unternehmen. Ich weiß nicht wie das in der Verlagswelt ist, aber die Drittanbieter (amazon & co) bekommen doch sicher Provision?!
        So was dann in die Buchwelt umgesetzt?!
        Können wir aber gerne mal auf einem Bloggertreffen drüber fachsimpeln 😀

    • Vanessa R.

      Nein sowas gab’s (leider) nicht.
      Aber affiliate Links, wie du sie vorschlägst, hatte ich auch mal als Idee.
      Vielleicht sollten wir als Blogger einfach mal Ideen und Konzepte sammeln, um dann in richtige Gespräche mit den Verlagen gehen zu können, die zu etwas führen?!

      • Hi Vanessa,
        die Ideee haben wir auch schon gehabt gestern und wir wollen zusammen mit Karla Paul versuchen, ein Buchbloggernetzwerk aufzubauen, die genau das als Ziel hat.
        Darüber hinaus wollen wir zumindest im kleinen Kreis im Rahmen des Buchblogger-Stammtischs Köln/NRW darüber diskutieren 🙂

        • Kaisu (life4books)

          Bei so einem Netzwerk bin ich direkt dabei 🙂
          Und natürlich bei den Stammtischdiskussionen, die wir ja online fortführen können, denn nicht jeder wird immer Zeit haben für die Treffen.

        • Buchstabenträumerin

          Diese gesamte Diskussion ist ungeheuer spannend. Es fällt mir richtig schwer, mir angesichts dieser vielen Gesichtspunkte eine Meinung zu bilden / zu erlauben. Einem Ansatz stimme ich jedoch zu 100% zu: ein gemeinsames Konzept erarbeiten, mit dem beide Parteien zufrieden sind.

          Da ich in Köln wohne, bin ich bei diesem Kommentar von dir hängen geblieben, Philip. Es gibt einen Buchblogger-Stammtisch?

          • Huhu 🙂

            Ja, es ist definitiv schwierig, da eine Meinung zu zu bilden, da es unfassbar viele Gesichtspunkte zu beachten gibt. Ein Konzept ist daher definitiv zwingend erforderlich und das geht eben am besten, wenn sich Verlage, Agenturen und Blogger zusammen setzen.

            Ich möchte vom Bloggen nicht leben können, es ist nach wie vor ein Hobby, aber wenn man kleinere Aufmerksamkeiten für seine Mühen bekommt, dann freut man sich da definitiv drüber!

            Und ja, es gibt einen Stammtisch. Schau einfach mal in der FB-Gruppe vorbei:
            https://www.facebook.com/groups/831498080295931

            LG
            Philip

          • Buchstabenträumerin

            Richtig. Vom Bloggen allein möchte auch ich nicht leben. Es ist ein Hobby und das soll es auch bleiben. Es wird sicherlich weiterhin eine interessante Diskussion bleiben und ich bin gespannt auf das Ergebnis – sofern es denn dazu kommen wird 🙂

            Danke für den Link!
            LG Anna

        • Nana Grübler

          Wow! Kann man sich über das Buchblogger-Netzwerk, das da angedacht wird, irgendwie am Laufenden halten? 🙂 Ich finde, das professionelle Bloggen entwickelt sich in eine sehr spannende (und sehr richtige ^^) Richtung!

  • Lena

    Ich finde es vor allem wichtig, dass darüber ernsthaft diskutiert wird. Eine direkte Vergütung von Rezensionen kommt für mich persönlich nicht in Frage, das sieht wirklich zu sehr nach Beeinflussung aus. Aber was ist mit einer Honorierung von Backlinks oder Kampagnen in den sozialen Medien? Es gibt sicher noch viele andere Möglichkeiten, aber die müssen erstmal gesammelt werden.

    Als erster Schritt fehlt mir aber sowieso der Respekt von Seiten der Verlage. Wir müssen es endlich schaffen auf Augenhöhe mit den Verlagen (und auch Selfpublishern) zu kommunizieren.

    Liebe Grüße,
    Lena

  • Wow, der Artikel hat ja fast schon was von einer Streitschrift. In vielen Punkten, vor allem was die mangelnde Wertschätzung und die Nähe der Blogger zum Leser betrifft, gebe ich dir absolut recht. Nach meiner Erfahrung sind es vor allem die Kleinverlage, die diese Punkte wesentlich besser (in unserem Sinn) wahrnehmen. Lübbe empfinde ich als sehr bloggerunfreundlich, Randomhouse hat mit dem Bloggerportal einen guten Schritt in die richtige Richtung gemacht.

    Prinzipiell dürfte es wohl der Traum jedes Bloggers sein, mit seinem Hobby Geld zu verdienen, wobei man sagen muss, dass viele „Rezensionen“, die man in der Blogosphäre lesen kann diese Bezeichnung nicht zwangsläufig auch verdienen. Vom bloßen Wiedergeben der Inhaltsangabe bis zu Zweizeilern mit dem Fazit „Das Buch ist toll/doof“ ist alles vorhanden. Eine Bezahlung pro Rezension ist also prinzipiell erstmal als kritisch zu sehen, selbst wenn sie an bestimmte inhaltliche Eckpunkte gekoppelt wäre.

    Affiliate-Links wären da schon eher was, wobei ich gerade in einer Diskussion zum Thema Amazon vs. stationärer Buchhandel sinngemäß dazu schrieb, das es aus finanzieller Hinsicht unsinnig wäre, einen Link auf eine andere Seite als das große A zu setzen. Die sind nunmal Marktführer und wohl vermutlich der einzige Händler, bei dem ein Großteil der Leser ohnehin ein Konto hat. Ich würde es meinen Lesern jedenfalls nicht zumuten wollen, bei G Onlinehändlern ein Konto anlegen zu müssen. Auch ein gemeinsames Portal der Publikumsverlage würde da meiner Meinung nach nur bedingt Abhilfe schaffen, denn warum irgendwo bestellen, wenn ich schon einen Händler habe, dem ich vertraue – und bei dem ich auch alles beziehen kann, was ich haben möchte?

    Sinnvoll finde ich hingegen den Vorschlag mit einer Vergütung für rechercheintensive Beiträge, Teilnahme an (durch die Verlage organisierte) Blogtouren o.Ä. Das wäre sicherlich ausbaufähig.

    Beste Grüße

    Sebastian

  • Fabian

    Hey Philip!

    Ein sehr interessanter Beitrag. Ebenso interessant wie die Blogger Sessions und die Diskussionen selbst, die ich leider nur über Twitter und per Audiostream verfolgen konnte.

    Und ich will da eigentlich auch gar nicht querschießen, aber eine Frage, die mich auch schon am Sonntag die ganze Zeit beschäftigt hat, ist folgenden: Wer ist denn da überhaupt gemeint?

    Welche Blogger sollen sich denn professionalisieren? Etwa die 800 die sich für die diesjährige LBM haben akkreditieren lassen, was ja bei Gott nicht alle Buchblogger/Booktuber ect. sind die es so gibt. Oder aber, jenes kleine „elitäre“ Grüppchen das ganz vorne an der Spitze dieser gewaltigen Buchblogger-Horde steht? Also alle die, die feste Größen sind, mit enormer Reichweite und die das Standing besitzen, welches überhaupt erst rechtfertigen würde, dass sie sich professionalisieren bzw. in diesen Fällen monetarisieren? Also, ich finde, es wurde überhaupt gar nicht klar wer da gemeint ist. Wenn alle gemeint sind, dann ist das wohl mehr Wunschtraum als ein wirklich umsetzbares Unterfangen. Vor allem ging es ja darum nicht nur Geld für gewisse Beiträge zu bekommen, sondern sich soweit zu professionalisieren/monetarisiere, dass man von dieser Tätigkeit seinen Lebensunterhalt finanzieren kann. Hier müsste man erst einmal eruieren, wer das überhaupt möchte. Ich glaube die wenigsten, Buchblogger sehen in diesem Hobby eine ernsthafte Zukunftsperspektive. Sondern wirklich nur ein Hobby das zum Spaß an der Freude betrieben wird. Was ich nach wie vor, für die richtige Einstellung halte.

    Auf der anderen Seite, finde ich kam gar nicht so richtig rüber, bzw. wurde gar nicht so wirklich darüber gesprochen was es überhaupt bedeutet sich zu professionalisieren. Wenn man diesen Schritt macht, dann wird Professionalität erwartet und für mich daran gekoppelt ist auch ein gewisses Maß an Objektivität. Und das ist für mich der Knackpunkt. Denn das worin wir Blogger uns eben von den „Professionellen“ unterscheiden, ist unsere Subjektivität. Die uns die Freiheit gibt, Dinge so zu machen wie wir es möchte, wann wir es möchten, in welcher Form und in welchem Tonfall wir es möchte und und und. Die müsst man in meinen Augen aufgeben, wenn man professionell und gegen Bezahlung über Bücher/Literatur bloggen möchte. Wenn man, aus diesem Hobby einen Beruf machen möchte. Damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen, würde viele wohl in die Knie zwingen. Das klingt jetzt alles natürlich total toll und cool, aber wenn dann die harte Realität einsetzen, in der man eben nicht mehr frei ist und nicht mehr so machen kann wie man möchte, weil das nächste Frühstück oder die Miete davon abhängig sind, und weil Erwartungen seitens der „Auftraggeber“ (Verlage Agenturen ect, ich nenne das jetzt mal aus Ermangelung eines besseren Wortes so) sehr hoch und anspruchsvoll sein werden, dann werden sich die meisten bestimmt, dahin zurückwünschen, wo ein Rezensionsexemplar „Dank“ genug war. Und ich muss ehrlich sagen, es gibt dieses Modell ja bereits in den USA. Gut zu sehen, an den dortigen Booktuber-Größen wie „Jesse the Reader“, „Katytastic“ und „PolandBananasBooks“, die wohl die absoluten Vorreiter sind, die in meinen Augen eben auf Grund ihrer Professionalisierung/Monetarisierung total unglaubwürdig geworden sind, weil sie doch irgendwann eingeknickt sind, und nur noch alles gut finden. Das würde hier bei uns auch passieren. Was nicht heißt, dass ich denke Geld beraube Bloggern ihrer Glaubwürdigkeit. Aber irgendwann, würden sich Zweifel einschleichen, ob das wirklich alles noch die eigene Meinung oder eine eingekaufte Meinung ist.

    Natürlich ist es cool und stellenweise auch angemessen für mehr Anerkennung und Respekt und Entlohnung zu kämpfen, da bin ich komplett auf deiner Seite. Aber wie gesagt, von all den vielen Bloggern betrifft es ja nur ein ganz kleines Grüppchen. Denn überwiegenden Zahl, also die große Masse, die zusammen wohl mehr Reichweite hat, als die „Flaggschiffe“, werden so oder so, wie bisher auch leer ausgehen. Denn im Grunde ist jeder Blog, jede Rezension, jede Aktion, jedes Foto auf Instgram, jeder Tweet, jede Beitrag auf Facebook kostenlose Werbung. Ganz gleich ob der Blogger 3 oder 3000 Follower hat. Letztlich würde aber der Blogger mit 3000 Followern die Bezahlung bekommen.

    Was ich auch noch erwähnen möchte, und wahrscheinlich werden dafür jetzt Messer fliegen aber gut, man muss die Kirche auch mal im Dorf lassen, denn über Bücher zu bloggen ist keine so harte „Arbeit“ wie es im Zuge dieser Diskussion jetzt dargestellt wird. Ja, es frisst Zeit und Nerven, und manchmal sitzt man Stunden an einer Rezension oder einem Beitrag, aber das wird alles freiwillig gemacht. Niemand steht mit einer Pistole neben einem und man befindet sich auch nicht in einem Arbeitsverhältnis oder sonst was. Wir alle machen das, weil wir es möchten, weil wir dieses oder jenes Buch und den Autor unterstützen möchten, weil wir es gerne machen, weil es uns ein wichtiges Anliegen ist. Und ich möchte viel lieber Anerkennung vom Verlag als deren Geld.

    Und seien wird doch mal ehrlich, die meisten bekannten und großen Blogger, die Bloggerlieblinge, wie es Loewe gerade auf der Messe genannt hat, werden doch hofiert wie kleine Stars. Werden zu exklusiven Treffen eingeladen ectuswpp. Ich meine, nicht zu so einem Treffen eingeladen zu werden, wie es bei den meisten Bloggern, der großen Masse, eben der Fall ist, ist doch gleichbedeutend damit, dass man für diese Verlage (ist ja nicht nur Loewe) nicht existent ist. Die Verlage haben doch schon ihre Blogger mit denen sie auf Augenhöhe arbeiten, wo es mehr als nur ein Rezensionsexemplar gibt ect. Und ich habe irgendwie das Gefühl, dass gerade die wieder am lautesten schreien.

    Klar könnten die Verlage auch Geld geben, wenn man mal bedenkt welch irrsinnige Summen ins Marketing gepumpt werden usw. Aber hier stellt sich wieder diese Frage: Welcher Blogger sollte denn was bekommen? Alle, also die große Masse die wohl am meisten bewegt, oder die festen Größen, die Speerspitze dieser großen Masse?

    Und mal davon abgesehen, dass die Buchmenschen/blogger-Sphäre wirklich scheiß nett ist, was ich auch unterschreiben würde, gibt es auf der anderen Seite unfassbar viel Neid und Missgunst. Wenn ich öfter sehe, wie sich große Blogger, die nun wirklich jedes Rezensionsexemplar in den Arsch geschoben bekommen, darüber echauffieren, dass ein kleiner Blog ebenfalls eines bekommen hat, dann fasse ich mir einfach an den Kopf.

    Was ich zum Beispiel nicht verstehe ist, warum wir uns als Blogger nicht zusammenschließen. Warum nicht mit mehreren Leuten, die alle die gleichen Rechte habe usw. einen Blog/eine Seite führen, die ganze Power die jeder einzelne hat und mitbringt, konzentrieren und damit dann nach vorne gehen. Wäre doch machbar.

    Abschließend möchte ich sagen, ich hoffe es ist im Beitrag auch so rübergekommen, dass ich sehr wohl dafür bin, das Blogger mehr Anerkennung und Respekt und zu einem gewissen Teil auch Entlohnung erfahren. Ich finde aber halt auch, dass da noch viele Fragen offen sind.
    Joa, ein bisschen lang geworden der Kommentar, aber ich hoffe mal dass das alles so verständlich ist xD

    • Kaisu (life4books)

      Viiiiiel Text 😛
      Aber ich kann in vielen Punkten dir zustimmen!
      Besonders
      was die besagte Elite angeht 😉 Dieses Thema kommt immer wieder auf,
      obwohl es von aller Welt abgestritten wird ….mh, joah, nehmen wir es
      mal so hin.
      Und ja, es fliegen Messer! (musste sein ;P)
      So easy
      find ich das Betreiben eines Blogs gar nicht, denn es sind ja nicht nur
      Kritiken! Man schreibt ja viel mehr, geht auf Suche, fotografiert, setzt
      in Szene, knüpft Kontakte, stellt vor, lässt den Ideenspringbrunnen
      sprudeln. Was machen den Beautyblogger anders? Und die bekommen Geld,
      wenn auch eher von yt als von den Konzernen.

      „Was ich zum Beispiel nicht verstehe ist, warum wir uns als Blogger nicht
      zusammenschließen. Warum nicht mit mehreren Leuten, die alle die
      gleichen Rechte habe usw. einen Blog/eine Seite führen, die ganze Power
      die jeder einzelne hat und mitbringt, konzentrieren und damit dann nach
      vorne gehen. Wäre doch machbar.“
      <-Das möchte ich dreifach unterstreichen!
      Dieser
      Zusammenhalt hat meiner Meinung nach in den letzten Jahren etwas
      nachgelassen, je größer die Community wurde. Zwar blickt man immer
      wiedre über den Tellerrand hinaus und sucht neue Gleichgesinnte, aber
      was soll man machen, wenn die nicht reagieren oder nur halbherzig
      antworten? Leider ein Kampf gegen Windmühlen in den eigenen Reihen 🙁
      Und natürlich bei den Verlagen!
      Anfangs
      hat man gesucht, Mails geschickt, ist dran geblieben, hat ASP gefunden
      und sich an jeder Nachricht erfreut. Heute wurde vieles vereinfacht
      (Blogger-Reziex-Foren) aber dadurch geht mir auch zu sehr der direkte
      Kontakt verloren…

      • Fabian

        Hi Kaisu!

        Hehe, ja sorry not sorry 😛

        Wer diese „Elite“ abstreitet, dem kann man eh kein Wort glauben, klingt zwar hart aber isso.

        Und zu den fliegenden Messern, ich war darauf vorbereitet und daher nicht schlimm. Ich sehe das ganz anders. Ich empfinde die von dir aufgezählten Dinge nicht als hart oder als Arbeit. Das, was ich persönlich wirklich hart finde und wofür ich das Wort „Arbeit“ verwenden würde, ist Content generieren. Aber nicht den, den sowieso jeder macht. Also keine Neuzugänge, keine Rezensionen oder Blogtouren diesdas, sondern eigene Aktionen und Themenbeiträge für die man recherchiert und Bilder bearbeitet usw. Das ist der Aspekt am Bloggen, den ich schwer finde und für den ich auch Anerkennung seitens der Verlage einfordern würde. Alles andere, Kinderkram.

        Hm, ich finde das beispiel der Beautyblogger/Youtuber immer sehr schwierig, denn wenn man sich das mal ein bisschen anschaut, dann stellt man fest, dass die ja wirklich jeden Scheiß machen und sich für fast nichts zu schade sind. Und ihr Ruf, gerade auch von den bekannten Gesichtern, ist ja auch mehr schlecht als recht. Ich kann mir kaum vorstellen, dass wir als Buchmenschen das auch so haben möchten oder? Und ich verwette mein Buchregal darauf, dass wenn sich da ein paar Leute von den Buchmenschen ganz nach oben aufschwingen, und damit quasi auch eine gewisse repräsentative Rolle einnehmen (oder in eine solche gesteckt werden), dann wird es Mord und Totschlag und Shitstorms ohne Ende geben. Weil, es da in unserer Szene einfach so viel Neid und Missgunst gibt, was sich dann einfach mutiplizieren würde.

        Ich glaube der Zusammenhalt geht deswegen zurück, weil a) wie du schon selber schreibst, es immer mehr neue Blogger gibt und die Community immer und immer größer wird. Und b) weil diese große Community im Grunde eigentlich nur aus vielen kleinen oder größeren Cliquen besteht, die zwar auch übergreifend vernetzt sind, aber viel mehr in ihren Cliquen selbst. Man müsste also erst mal diese Cliquen-Struktur aufbrechen um da ein wirkliches Netzwerk draus zu machen. Und das, wird nicht passieren. Es ist ja auch leider so, ähnlich wie bei den Verlagen, wenn du nicht in einem dieser Clubs drin bist, dann bist du auch nichts. Da sind wird Blogger untereinander gar nicht so weit von dem entfernt, was die Verlage im Umgang mit Bloggern so praktizieren.

        • Kaisu (life4books)

          kurz zu der Arbeit:
          Ja, du hast recht, „Arbeit“ in dem Sinne ist es nicht, aber man bemüht sich ja trotzdem das Beste rauszuholen und das kostet Zeit und Mühe, was für mich am Ende ja doch iwie wieder Arbeit ist, auch wenn sie Spaß macht 😀
          Buchmenschen wie Beautyblogger?!
          Ohje… da würde sich, wie du schon sagst, sehr sehr schnell die Spreu vom Weizen trennen 🙁 und Neid ganz groß dann im kommen sein wird! (also noch mehr als bisher, was eigtl albern ist…)
          Ich merke es bei dem Zusammenhalt vor allem bei mir deswegen, weil ich kein Mainstream in dem Sinne lese. Ich bin eher auf der „dunklen Seite“ unterwegs und sag offen, wenn mir was nicht past oder ich folge/kommentiere auch nicht zwanghaft bei Bloggern nur um mich beliebt zu machen … natürlich bin ich auch mit einem kleinen Kreis sehr gut vertraut und kenne ihn auch persönlich und es ist schwer, in andere „Elite-Kreise“ reinzukommen. Aber will ich das auch? Nö!
          Ich will eher den Zusammenhalt und kein Zwangs-Schmuse-Bussi-Küsschen-Programm!

    • Nana Grübler

      AMEN! 😉

  • Rachel Liven

    Super Beitrag, Philip! Ich kann dem nur zustimmen, hatte ja auch erzaehlt, dass ich in einer Blogger Agentur mal ein Buch als Rezensionsexemplar gestellt bekommen und anschliessend auch Geld dafuer bekommen habe. Jeder Buchblogger der sich in seinem moeglichen Rahmen professionalisieren moechte, sollte dafuer belohnt werden. Es ist doch wirklich lachhaft, dass in anderen Branchen das Bewerben eines Rasierers finanziell entlohnt wird, man als Buchblogger nur kostenlose Buecher erhaelt.

    Liebe Gruesse.

  • BücherMikado

    Wie ich zu dem Thema stehe, habe ich ja auf meinem Blog auseinandergesetzt. Was ich gerne mal von allen Interessierten wissen möchte, ist, in welcher Form könntet ihr euch denn so ein Netzwerk aus Bloggern vorstellen? Besonders um Ideen zu sammeln und sich auszutauschen. Also Stammtische, ein gemeinsames Forum, WhatsApp-Gruppe oder eine andere Form?

    • Huhu 🙂
      Diesbezüglich sind wir gerade in Absprache und am Ideen Sammeln.
      Wir könnten uns eben sehr gut eine sachl. Facebook-Gruppe, eine monatl. Skype Konferenz etc. vorstellen.
      Sobald wir was handfestes haben gibt es natürlich Infos 🙂

      • BücherMikado

        Hey ☺️
        Ich bin jetzt mal super neugierig, weil ich mir da auch seit Leipzig Gefanken zu mache. Wer ist denn wir?
        Das mit der Skype-Gruppe finde ich auch nicht schlecht 😉

  • der AUTOR

    Selbst ich, als ein aktiv und semiprofessionäller (Minor-)Akteure und „Autor“, einer zugleich: in sich implodierenden, wie auch andererseits — anderweitig ausbreiten, ausweiten, auslagern und unaufhaltsam in alle Meta-Richtungen verschiebenden, sich ganz und gar umwandelnden Schreiberlings-Szene … der ja auch eigens ein ebenso leidenschaftlicher Rezipient, Förderer und Verfechter „guter“ Literatur bin et cetera pp. — muss immerzu, auch erneut mich einer allzu okkulten fremd-fern-und-popkultur stilisierten Literaturbetrachtung ermahnen. Die gar Gefahr läuft zu persönlich, umumsichtig, kurzsichtig und kurzum stets egoistisch zu werden geneigt scheint.

    Zu publizieren heutzutage – ist wohl kaum mehr ein Privileg jener „Auserwählten“ und von uns (meist) verehrten Schriftsteller(inne)n, denen der Umstand überhaupt verlegt, gedruckt und somit gehört zu werden (in der Öffentlichkeit, durch entsprechende Anerkennung und Zur Kenntnisnahme vergolten zu sein schien bereits) und ja all jenen „Früheren“ allein scheinbar dadurch schon ein gewisses Maß an Rechtfertigung, Daseinsberechtigung und Gehör verschaffte — weil man es eben, unter den so vielen, die es versucht haben, geschafft hatte (was immer das heißen soll).

    Doch ein jeder kann jederzeit, zum jetzigen Zeitpunkt — selber schreiben und veröffentlichen, unabhängig vom eigenen Anspruch oder der Intention, kann man bloggen, sich journalistisch involvieren (und das tatsächlich auch unabhängig) von Druckkosten und Verkaufszahlen (zumindest rein formal) oder sich selber zum episch, prosaischen Schreiberling aka Schriftsteller erklären. Und niemand kann einem das absprechen. Wer will Schreiber bezahlen, wo jeder (oder beinahe jeder) doch selber schreiben kann (und ebenso den Anspruch hegt, dafür irgendwie doch bezahlt zu werden). Vielleicht zurecht. Wenn auch wir nicht vergessen sollten an dieser Stelle, wie wir allesamt Nutznießer und Vorteile-Verwerter seither sind, eines (nahezu kostenfreien) allen zugänglichen Mediums, jener Barrierefreiheit des Geistes und das bei ungeahnter, unabhängiger Übertragungsrate und Vielschichtigkeit, gleichzeitig erheben wir dennoch den Anspruch auf das zumindest „Gleichbleiben“ (und/oder sogar Steigern) der gesamten lit. Qualität, bei doch zunehmender Kostenfreiheit und dem uneingeschränkten Zugang zu Wissen und Bildung (den ich persönlich nur gutheißen kann), das damit letztendlich einher geht.

    So finde ich mich selber fast vollends zerrissen. Für meinen Lohn als Autor. Und auf der anderen Seite, meinem Ideal — einer Idee von Gleichheit und geistiger Freiheit, für die mein finanzieller (und vielleicht unser aller, die die Qualität dem Massenkonsum vorziehen) Anspruch zurückstecken muss, und zu Gunsten aller, sich bereit erklärt freiwillig zu wirken. Und letztendlich damit auch gänzlich unabhängig.