Rezension // Wild Cards 1. Das Spiel der Spiele (Hrsg. George R. R. Martin)


The World’s next SUPERHERO!
Seit sich in den Vierzigerjahren das Wild-Card-Virus ausgebreitet hat und Menschen mutieren lässt, gibt es neben den normalen Menschen auch Joker und Asse. Joker weisen lediglich körperliche Veränderungen auf, während Asse besondere Superkräfte besitzen. Da ist zum Beispiel Jonathan Hive, der sich in einen Wespenschwarm verwandeln kann, oder Lohengrin, der eine undurchdringliche Rüstung heraufbeschwört. Doch wer ist Amerikas größter Held? Diese Frage soll American Hero, die neueste Casting Show im Fernsehen, endlich klären. Für die Kandidaten geht es um Ruhm und um so viel Geld, dass sie beinahe zu spät erkennen, was wahre Helden ausmacht.

 

Meine Meinung zu Wild Cards 1. Das Spiel der Spiele

Wild Cards 1. Das Spiel der Spiele ist das neuste Werk des Bestseller-Autors George R. R. Martin, welcher vor allem durch seine mehr als erfolgreiche Fantasy-Saga “Das Lied von Eis und Feuer” Weltruhm erlangt hat. Allerdings handelt es sich bei Wild Cards nicht um sein alleiniges Werk, denn zahlreiche Autoren sind an dieser Geschichte beteiligt, welche sich aus zahlreichen kleinen Kurzgeschichten zusammensetzt. Martin selbst hat dabei nur die Oberhand übernommen, eine Kurzgeschichte beigesteuert und mit seinem rennomierten Namen den Herausgeber gespielt. Mit Erfolg, welcher sich nicht nur sehen sonderna uch lesen lassen kann!
Von Anfang an ist diesem Roman anzumerken, dass er anders als andere Romane ist. Mit einem Anschlag auf einen Kalifen der muslimischen Welt beginnt das große Abenteuer und der große Zusammenhang bzw. Zusammenhalt der Story wird angerissen, bevor es den Leser nach Amerika und zur skurrilen Casting-Show “American Hero” verschlägt. Die ersten hundert Seiten kann man sich kaum vorstellen, wie das eine zum anderen zusammenpassen soll. Doch es funktioniert, sogar besser als erwartet!
Im Zentrum der Handlung steht neben der Casting Show vor allem das breit angelegte Charakterspektrum, denn gleich 28 mehr oder weniger bedeutende Personen stellen sich der Herausforderung und versuchen, Americas Next Superhero zu werden. Alle zeichnen sich durch besondere Fähigkeiten aus, welche durch das Wild-Card Virus ausgelöst worden sind. Die teilnehmenden Charaktere sind dabei allesamt sogenannte Asse mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten, welche anfangs mehr oder weniger spektakulär wirken. Doch im Laufe der Handlung kristallisieren sich diese Fähigkeiten im Zusammenspiel miteinander als hervorrangende Kombinationen heraus und die Teilnehmer formieren gut funktionierende Teams, die sich unterschiedlichen Herausforderungen stellen müssen.
Dabei ist nicht nur das Storybilding besonders interessant sondern auch die einzelnen Charakterekönnen von sich überzeugen. So haben es mir besonderes Jonathan Hive und Lohengrinangetan, welche irgendwie die Hauptpersonen der Handlung sind, auch wenn auf andere Charaktere wie Earth Witch oder Drummer Boy ein weiterer Schwerpunkt gelegt wird. Zwar werden alle Charaktere mehr oder weniger gut beschrieben, diese vier erhalten aber ein besonderes Augenmerk und so kann man sich durch die zahlreichen sehr ausführlichen Beschreibungen ihrer körperlichen Merkmale und Eigenschaften diese sehr gut vorstellen und in sie hineinversetzen.
Wie schon erwähnt, hat mir auch das Storybilding sehr gut gefallen, welches sich durch seine unglaublich vielen Facetten auszeichnen kann. Sei es die sehr interessante Casting-Show oder der sich stetig weiter zuspitzende Konflikt in Ägypten, in welchen einige der Protagonisten bedeutend eingreifen werden. Jede dieser Schwerpunkte ist ausführlich beschrieben, wodurch sich der Leser jederzeit gut aufgehoben und in die Geschichte integriert vorkommen kann. Die in “Wild Cards” eingebaute Gesellschaftskritik ist dabei zwar zum Teil versteckt aber irgendwie auch durchgängig präsent. Sei es, dass die Medien einem Konflikt in einem fremden Land kaum Beachtung schenken und sich lieber auf eine eher unbedeutende Casting-Show kritisieren, oder dass sich der Westen, speziell Amerika immer wieder in Konflikte im Ausland einmischt, die sie eigentlich nichts angehen oder der Aspekt, dass man von vornherein in feste Rollen gezwängt wird und einem (siehe Earth Witch) nichts zugetraut wird.
All diese Schwerpunkte und Blickwinkel sorgen dafür, dass man als Leser nur so in die Geschichte hineingezogen wird und über die Seiten fliegt.  Die unterschiedlichen Erzählstile, u.a. die Blogeinträge von Hive’s oder die Charakterpräsentationen im Rahmen der Casting-Show runden dabei ein stimmiges Gesamtbild ab.
Dass die Geschichte sich dabei aus zahlreichen Kurzgeschichten zusammensetzt fällt dabei überhaupt nicht auf. Die Übergänge sind wirklich sehr gut abgestimmt und damit auch gelungen, sodass man meinen könnte, dass das Buch aus der Feder eines einzigen Autoren stammt.
Lediglich kleinere Längen zwischendurch oder das zu breit aufgestellte Charakterfeld trüben den Lesefluss etwas. Wer sich davon aber nicht abschrecken lässt, wird mit Wild Cards 1. Das Spiel der Spiele hervorragend unterhalten.

Weiteres:

Autor: George R. R. Martin
Verlag: Penhaligon Verlag
Genre: Fantasy
Preis: 15,00 € [Buch] | 11,99 € [eBook] | ISBN-13: 978-3764531270
Einband, Umfang: Klappenbroschur, 544 Seiten
Erscheinungsdatum: 25. August 2014
Reihe:
Kaufen: Amazon | Thalia | Decius

Über den Autor:

George R. R. Martin, 1948 in Bayonne/New Jersey geboren, veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten im Jahr 1971 und gelangte damit in der Science-Fiction-Szene zu frühem Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Danach arbeitete er in der Produktion von Fernsehserien, etwa als Dramaturg der TV-Serie “Twilight Zone”, ehe er 1996 mit einem Sensationserfolg auf die Bühne der Fantasy-Literatur zurückkehrte: Sein mehrteiliges Epos “Das Lied von Eis und Feuer” wird einhellig als Meisterwerk gepriesen. George R.R. Martin lebt in Santa Fe, New Mexico.

Weitere lesenswerte Rezensionen findet ihr hier:

Quellenangaben:

Der Klappentext und das Buchcover stammen vom Penhaligon Verlag.

2 Pingbacks/Trackbacks

  • www.lesemomente.net

    Das ist die erste richtig positive Rezension, die ich zu diesem Buch lese. Vielleicht sollte ich es mir doch mal genauer angucken, wir haben ja eigentlich oft einen sehr ähnlichen Buchgeschmack. 🙂

  • Kay

    Hallo Philip,
    eine wirklich sehr gelungene und detaillierte Buchbeschreibung. Die Zusammenhänge fand ich auch richtig gut dargestellt und das Setting selbst ziemlich interessant. Der Geschichte kann man definitiv eine Leseempfehlung geben 🙂
    Liebe Grüße
    Kay

  • Toller Aufbau deiner Rezension! Die Box unten drunter ist super. Hab ich so auch noch nicht gesehen. Wie kommt man denn auf so ne Idee? 😀

  • Huhu 🙂
    Ich kann dir das Buch definitiv empfehlen. Kay von His & Her Books war ja auch sehr davon angetan und bei unserem durchaus ähnlichen Buchgeschmack könnt ihr mir vorstellen, dass du das Buch auch mögen könntest 🙂 LG

  • Huhu Kay,
    vielen Dank für dein Feedback. Freut mich immer, wenn du oder Steffi hier vorbeischauen und mir was dalassen 🙂
    Finds auf jeden Fall super, dass wir uns bei diesem Roman sehr ähnlich sind, was unsere Meinung betrifft 🙂
    LG und ein schönes Wochenende 🙂

  • Hallo xcrini,

    freut mich, dass dir der Aufbau der Rezi gefällt. Hab mich hier und dort ein wenig inspirieren lassen und dann ist sowas dabei herausgekommen 🙂

  • NoaJael

    Huhu, deine Buchbeschreibung hat mich echt neugierig gemacht. Ich bin total gespannt auf dieses Buch. Damit kann man auch super die Zeit bis zum neuen GoT Band überbrücken.
    LG Christin (Noa)

  • Hallo Philip,
    eine sehr schöne Rezi. Du hast in deiner Rezension wirklich analle Punkte gedacht und machst Lust darauf das Buch zu lesen.
    Mit Lohengrin haben die Autoren wohl einen Publikumsliebling erschaffen 😉

    Viele Grüße Nanni

  • Hallo Nanni,
    mir hat das Buch wirklich gefallen, andere konnten damit eher nichts anfangen. Musst du letztendlich selbst entscheiden. Ich würde dir zur Lektüre raten 😉 Und ja, Lohengrin ist cool 🙂

    Schönes Wochenende
    Philip

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