Rezension // Zero. Sie wissen, was du tust (Marc Elsberg)


London. Bei einer Verfolgungsjagd wird ein Junge erschossen. Sein Tod führt die Journalistin Cynthia Bonsant zu der gefeierten Internetplattform Freemee. Diese sammelt und analysiert Daten – und verspricht dadurch ihren Millionen Nutzern ein besseres Leben und mehr Erfolg. Nur einer warnt vor Freemee und vor der Macht, die der Online-Newcomer einigen wenigen verleihen könnte: ZERO, der meistgesuchte Online-Aktivist der Welt. Als Cynthia anfängt, genauer zu recherchieren, wird sie selbst zur Gejagten. Doch in einer Welt voller Kameras, Datenbrillen und Smartphones gibt es kein Entkommen…

Meine Meinung

Denkanstöße für unser digitales Zeitalter

Wow, dass nenne ich mal einen sensationellen Roman. Wahnsinn. Marc Elsberg hat es geschafft. Mit seinem Roman Zero. Sie wissen, was du tust, konnte er mich von Anfang an begeistern. Los geht der Roman gleich mit einer gehörigen Portion Action, bei welcher der Leser sofort mitten ins Geschehen der Handlung geworfen wird. Bereits aus mehreren Erzählperspektiven erzählt, lernt man von Beginn an die relevanten Parteien des Buches kennen. Der Roman beginnt mit einem vermeintlichen Attentat auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten, welcher von einem Drohnenangriff, gesteuert von ZERO, einer Online-Aktivistengruppe, bedroht wird. Dies wird live in der ganzen Welt ausgestrahlt, was auch an der britischen Journalistin Cynthia Bonsant nicht vorbeigeht, da sie es zufällig in der Redaktion im TV sieht. Somit hätten wir also innerhalb der ersten Seiten sowohl ZERO als auch Cyn kennengelernt, welche die Hauptakteure der Geschichte sind. Zunächst unbeteiligt wird die Journalistin aber nach einem tragischen Tod eines Freundes ihrer Tochter durch ihre Recherche in die Handlung hineingerissen, wobei sie unter anderem auf Freemee stößt und sich neuartigen Bedrohungen gegenübersieht. Neuartige Entwicklungen, wie Datenbrillen und personalisierte ActApps bringen zwar durchaus positive Fortschritte, die das Leben erleichtern und bereichern. Doch ergeben sich daraus resultierend auch zahlreiche Gefahren, nicht nur durch Verletzungen des Datenschutzes dem gegenüber.
Cynthia muss zu ihrem eigenen Leidwesen beide Seiten der Medaille erkennen und stellt fest, dass diese hochgelobten ActApps, bei welchen Freemee Weltmarktführer ist, nicht so positiv sind wie man glaubt.
Marc Elsberg hat eines geschafft. Er konnte mich zum einen noch mehr für den technischen Fortschritt wie Datenbrillen, Wearables oder ActApps begeistern, mich zugleich aber auch mit dem negativen Potenzial dieser Erfindungen erschrecken, wenn sie für die falschen Zwecke eingesetzt werden.
So geben die ActApps dem Benutzer individuelle Vorschläge und stehen ihnen beratend zur Seite. Sie empfehlen zum Beispiel andere Modestile oder Tipps zum Lernen. So wird der User individuell beraten oder verbessert sich im Job oder der Schule, wodurch sein Selbstbewusstsein gesteigert wird. Leider geht dies mindestens ein Mal schief, wie sich herausstellt. Zufällig stößt Cynthia auf diese verheimlichten Todesfälle und gerät damit ins Ziel der Konzerne. Von nun an ist sie gezwungen, zu ungewöhnlichen Mitteln zu greifen um zu fliehen. Das Unheil geht los.
Hervorragend recherchiert schildert der Autor in diesem Roman absolut plausibel, welche Macht die großen digitalen Unternehmen über uns haben und dass jeder Mensch unweigerlich dieser Macht unterworfen ist. Die NSA weiß bereits jetzt wohl schon so ziemlich alles über uns, was es irgendwie zu wissen gibt. Dieser Trend wird sich in Zukunft wohl noch weiter verstärken, da jeder von uns mittels seines Smartphones bereits fleißig dazu beisteuert. Seien es nun Facebook oder Google. Alle sammeln von uns Daten und geben diese vermutlich auch weiter. Marc Elsberg treibt diesen Trend und diese Überlegungen weiter und konnte mich mit seiner Geschichte dabei absolut fesseln.
Der Schreib- und Erzählstil ist einfach gehalten, aber auf einem angemessen Niveau, was der vermittelten Materie auf jeden Fall angemessen ist. Dadurch wird der Leser geradezu durch den Roman gepeitscht, da vor allem auch die Erzählung mit packenden Ermittlungen, Recherchen und Verfolgungsjagden absolut für sich punkten kann. Vor allem zum Ende des Romans überschlagen sich dabei die Ereignisse, weshalb man „Zero. Sie wissen, was du tust„, leider viel zu schnell ausgelesen hat.
Ich hätte sehr gern noch mehr zu diesem Thema gelesen, da Marc Elsberg sowohl das technisch Mögliche toll auf den Punkt getroffen hat, aber auch die Macht der Behörden, der Medien, Hackergruppen und der Konzerne mit ihren Intrigen und Kämpfen um die Marktführung, egal zu welchem Preis, genial getroffen hat und dies mithilfe sehr unterschiedlicher und überzeugender Charaktere unterstützend geschildert hat. Besonders der Konflikt zwischen der „alten“, technikscheuen Generation, welcher Cyn angehört und der noch jungen, technikaffinen Generation, welcher Cyn’s Tochter angehört, unterstreichen dabei noch zusätzlich die Klasse dieses Romans. Der Autor hat meines Erachtens einfach alles bedacht und damit mich überzeugt.
Von nun an gehört Marc Elsberg auf jeden Fall zu einen meiner Lieblingsautoren und wer ihn bisher noch nicht kennt, sollte schleunigst zu einem seiner bisherigen Romane greifen. Ein absolut packender Thriller, der von Beginn an zu überzeugen weiß.

 

Weiteres:

Autor: Marc Elsberg
Verlag: Blanvalet Verlag
Genre: Thriller
Preis: 19,99 € [Buch] | 15,99 € [eBook] | ISBN-13: 978-3764504922
Einband, Umfang: Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. Mai 2014
Reihe:
Kaufen: Amazon |

Über den Autor:

Marc Elsberg wurde 1967 in Wien geboren. Er war Kolumnist der österreichischen Tageszeitung »Der Standard« sowie Strategieberater und Kreativdirektor für Werbung in Wien und Hamburg. Heute lebt und arbeitet er in Wien.

Trailer:

Quellenangaben:

Der Klappentext und das Buchcover stammen vom Blanvalet Verlag.

One Pingback/Trackback

  • Anja

    Hi Philip!
    Hab ich’s doch geahnt, dass das hier ein Buch für mich ist! Das ist ein Thema, das mich absolut fesselt und beschäftigt und über das man sicher ewig diskutieren kann. Was man dabei nicht vergessen darf, ist wieviel wir selbst aus freien Stücken zu dieser Datenflut beitragen. Wenn ich sehe, was meine Bekannten so alles über Facebook teilen, dann dürften die sich über Datenschutz eigentlich nicht beschweren =).
    Tolle Rezi, das Buch wandert gleich auf meine Must-Have-Liste.

    LG
    Anja

  • Hi Anja. Freut mich, dass ich dich von dem Buch überzeugen konnte und dir meine Rezi hilft und gefällt.
    Ich kann das Buch absolut empfehlen, einfach spitzenmäßig. Irgendwie wünsche ich mir ja, dass viele der vorkommenen Gadgets bald auch bei uns auf den Markt kommen. Allerdings sollte das, wofür sie letztendlich missbraucht werden, etwas eingeschränkt werden^^

    Ich wünsche schon einmal viel Lesevergnügen.

    Philip

  • stillefeder

    Marc Elsberg schreibt einfach gute Romane und ich bin schon sehr auf sein nächstes Buch gespannt – wird bestimmt wieder Hammer!

  • Blackout muss ich mir auch bei Gelegenheit mal besorgen, hab ja bisher eigentlich nur positives gehört. Wird mich denke ich auch so überzeugen können wie „Zero“ 🙂
    Auf weitere Rümane freue ich mich natürlich auch 🙂

  • stillefeder

    Blackout war super, aber für aufgrund der Länge ein wenig langatmiger 😀

  • Ach naja, ich bin ja schon so manche langatmiges Buch gewöhnt, von daher wäre das okay. Muss mir die Hardcover Ausgabe mal besorgen, solange es die noch gibt. Dann kann es wenigstens schon einmal subben 😀

  • Christian Matthees

    Eine gelungene Rezension, die wir in unserer Publikation verlinkt haben:

    Die Datenkrake schlägt zu – der spannende BigData-Thriller “Zero – Sie wissen was du tust” von Marc Elsberghttp://www.krimi-tick.de/2014/07/25/die-datenkrake-schlaegt-zu-der-spannende-bigdata-thriller-zero-sie-wissen-was-du-tust-von-marc-elsberg/
    Beste Grüße

  • Hallo Christian,

    vielen Dank für das Feedback und natürlich auch danke für die Verlinkung. Sowas freut mich immer 🙂

    LG
    Philip

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